Rückblick: Frühlingserwachen 2010

Ein Auszug aus dem Veranstaltungsbericht der Organisatoren des kunstreuter Frühlingserwachen 2010 am 20. und 21. März :

Wie im Vorjahr wurde der Frühling mit einer wetterfesten Matinee am Sonntagnachmittag von 15 bis 16 Uhr im Freien eröffnet. Diesmal hatte uns der Verein Grün für Kinder e. V. freundlicherweise das Gelände des Kids‘ Garden dafür zur Verfügung gestellt. Die Entscheidung für diesen Ort lag vor allem an der günstigeren Akustik (im Vergleich mit dem in alle Richtungen offenen Reuterplatz). Außerdem hat der Garten eine sehr freundliche und geborgene Atmosphäre trotz der Öffnung zu zwei Straßen. Das hier geplante Lagerfeuer passte ins Gesamtkonzept und wärmte schließlich gut auf, denn dieser Fest-Akt fand tatsächlich zu Beginn im Regen statt.

Bei der Veranstaltung waren das Reuterkieztheater/Theater der Migranten, White Snake, Brasstastix, Impro Collective, Rob Gutowski und Goldmund beteiligt. Damit waren insgesamt etwa 40 Akteure involviert. Die künstlerischen Gesamtleitung übernahm ich selbst, die einzelnen Darbietungen wurden von den beteiligten Gruppen autonom, aber in Absprache mit mir entwickelt.

Während ab kurz vor 15 Uhr die zwei Puppenspieler White Snake in Barbie- und Ken-Montur Passanten auf den Gehwegen ansprachen und diejenigen auf das Ereignis aufmerksam machten, die noch nicht davon gehört hatte, lief im Garten an verschiedenen Orten eine Kette von Aufführungen, die den Regen vertrieben und die Sonne lockten: Nach anfänglichem zarten Zwitschern der sieben Posaunen von Brasstastix in unterschiedlichen Winkeln des Gartens sammelte sich das Ensemble auf dem Sandberg zu mehreren Frühlingsliedern im Regen.

Sie wurden abgelöst durch das in vierköpfiger Besetzung agierende Action Theater Impro Collective, das eine skurrile Szenerie neben dem offenen Feuer entwickelte. Ein akustischer RESET aus Krach durch alle Beteiligten, der dem Spiel von Impro Collective ein Ende setzte, misslang insofern, als er leider nicht laut genug war – so jedenfalls ist meine Meinung. Das danach in die nasse Kälte pur und solo gesungene ungarische Lied der am Reuterkieztheater beteiligten Susanne Bajnok war dafür umso gelungener. Es antwortete das Alphorn von Rob Gutowski vom anderen Ende des Gartens mit seinem seltenen Klang – sehr beeindruckend nicht nur für die anwesenden zahlreichen Kinder. Darauf folgten an mehreren Stellen des Gartens gleichzeitig lautstarke Streitereien des Reuterkieztheaters, die erst nach einigen Minuten als künstlich inszeniert zu erkennen waren und sich damit in eigenartigem Kontrast zur heiter intendierten Veranstaltung stellten. Diese einzelnen Szenen lösten sich dadurch auf, dass sich die ca. 13 Theatermitglieder im großen Sandkasten zum gemeinsamen Spiel sammelten, das schließlich in den getanzten Reigen mündete. Zwischenzeitlich hatten sich
die Posaunen um den kleinen Teich aufgestellt und boten nun ein dezent quakendes Intermezzo.

Darauf folgte schließlich der 13-stimmige Chor Goldmund mit einigen europäischen Frühlings- und Liebesliedern. Mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen, und wenn auch noch alles matschig war, so war die Stimmung doch fröhlich und zuversichtlich für den kommenden Frühling, der in der darauffolgenden Woche denn auch tatsächlich unübersehbar Einzug hielt. Dank dafür noch einmal allen wetterfesten Beteiligten im Kid‘s Garden!

Wetterbedingt war die Veranstaltung zu Beginn nur dünn und fluktuierend besucht. Leider war der Nieselregen nicht dazu angetan, die Menschen lange am Ort zu halten. Es füllte sich aber dennoch über die vergehende Stunde, sodass man insgesamt von ca. 120 – 150 BesucherInnen ausgehen kann. Rückblickend würde ich die Veranstaltung als gelungen bezeichnen, wenn auch der Gesamtablauf stark unter dem Regen litt. Nicht nur wirkte sich die Nässe auf die Akustik aus, sodass Nebengeräusche stärker zum Tragen kamen, es war auch die Haltung der Besucher leider nicht so offen und konzentriert wie noch im vergangenen Jahr bei Sonnenschein – eine allerdings nur zu gut verständliche Reaktion auf Kälte und Feuchtigkeit. Bei den auf Interaktion aufgebauten Elementen kam dies besonders zum Tragen. Die
Regenschirme behinderten teilweise auch das freie Schauen. Hingegen spricht für sich, dass doch etliche Besucher blieben und dem Wetter trotzten. Was an Feedback mich erreichte, war denn auch positiv. Allerdings entsprachen manche Stimmen meiner eigenen Meinung, dass in diesem Jahr ein lauter Kracher gefehlt habe, wie es z. B. 2009 die Trommeln von Frau K. und der Blauen Bande einbringen konnten. Tatsächlich ist weiterhin ein solches Unternehmen immer auch ein Experiment, da ausführlichere Proben und Abstimmungen in diesem Rahmen nicht möglich sind. So ergibt sich das, was geplant ist, jeweils ohne auch nur eine wirklich gemeinsame komplette Probe. Eine noch exaktere Verzahnung der einzelnen Spieler und Musiker und ein zeitlich strafferer Ablauf wäre mir lieb gewesen, aber unter den gegebenen Umständen kann man trotzdem mit diesem Ergebnis zufrieden sein.

von Antje Gerhardt

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